Leben

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Eingerahmt von freundlichen Fachwerkhäusern wiegt sich die Vergangenheit auf holprigem Kopfsteinpflaster in Sicherheit. Hie und da riskiert die Sonne einen Strahl durch den gelben Industrienebel und zwingt den engen Gassen ein Lächeln ab. Der alte Dom protzt mit seiner Architektur. Das Klicken der Fotoapparate scheint ihm zu gefallen. Die Parolen von Freiheit und Frieden an seinen Mauern sind schon etwas verwaschen. Regen und Missachtung haben ihnen arg zugesetzt. Man könnte sie etwas auffrischen.
An Straßenecken stehen Musikanten, unrasiert in Tennisschuhen und zupfen auf ihren buntbemalten Gitarren. Sie sind geduldet. Der Kaffee schmeckt etwas dünn, und doch beginnt man sich zu freuen. Vergangenes wird beiseitegeschoben, Vergessenes hervorgekramt, Zukünftiges verliert und Gegenwärtiges gewinnt an Bedeutung. Die Tätigkeit, eine Zigarette zu drehen und zu schauen, befriedigt völlig. Gedanken dürfen frei herumhängen und man bemerkt, dass man sehr viel versäumt hat.
Es gehört eine Menge Mut dazu, jung zu sein. Hoffentlich haben wir genug davon, denn wir haben noch einiges vor.
 
Noch haben wir die letzte Chance nicht versäumt,
uns mit dem Leben zu versöhnen.
Der alte Zwang zu der Einsamkeit vergeht
mit jedem Lächeln, das wir nehmen.
 
Wir können noch so viel bereu’n,
wir wollen weinen, wollen schrei’n.
 
Der erste Schritt fällt uns vielleicht noch etwas schwer,
doch kommen wir uns selbst entgegen.
Man atmet leichter und das Hirn fühlt sich nicht leer.
Wir bluten rascher, doch das trennt uns von den Trägen.
 
Die Zeit der Tugend kommt bestimmt
wenn wir verfault, vermodert sind.
 
Wir wollen uns in jedem Schoß zu Hause fühlen,
der zärtlich Lust und Wärme hegt.
Doch will uns lähmende Geborgenheit verhüllen,
ist jede Leidenschaft dahin.
Noch ist die Zeit in der wir blühn und wachsen können,
was schert uns Zucht und Sicherheit.
Noch können wir uns die Vergänglichkeiten gönnen,
zum Sterben bleibt noch so viel Zeit.
 
Wir wollen uns noch rasch soviel von allem nehmen,
wie wir zu tragen fähig sind.
Wir müssen uns vor unsrem Gott bestimmt nicht schämen,
denn um zu Leben waren wir bestimmt